Schon als Kinder hatten wir uns immer ausgerechnet, wie alt wir beim Wechsel ins neue Jahrtausend sein werden. Das magische Datum erschien mir damals meilenweit, wenn nicht Lichtjahre entfernt, die Vorstellung, mit 30 den Sylvesterabend zum Jahr 2000 zu erleben, ausserhalb der Zeit. Doch dann war es plötzlich doch soweit. Und irgendwie passte es, dass im vorausgegangenen Jahr noch viele Dinge mehr in meinem Leben geschehen waren, die ich mir nie hatte vorstellen können, und die mein Leben entscheidend verändert, es vollkommen durcheinander gewirbelt hatten. Nach Jahren der Gemeinsamkeit war ich plötzlich alleine, eine Situation, die ich noch nie durchlebt hatte, und die mich in meinem Selbst neu prägte und formte, vor allem aber auch traurig zurückließ, verunsicherte und überforderte. Und so verbrachte ich mein erstes Sylvester ohne den Menschen, der mich jahrelang begleitet hatte. Auch das hätte ich mir nie träumen lassen und meine Gefühle waren dementsprechend sentimental und tränenreich. Wie erlebte ich nun den Wechsel ins neue Jahrtausend? Irgendwie schob ich die Entscheidung, was ich an diesem Abend unternehmen wollte bis zur letzten Minute auf. Bis zum Schluss hoffte ich auf eine Eingebung, die mir sagte, wohin ich gehen, was ich unternehmen, mit wem ich feiern sollte. Natürlich ist diese Eingebung nicht wirklich gekommen und am Ende war es am einfachsten, sich Freunden anzuschlieþen, die einen Spieleabend organisiert hatten, wozu ich mich dann so gegen 17.00 Uhr noch einlud. Bis 0.00 Uhr verbrachte ich also ein ruhiges Sylvester, begrüßte dann eigentlich doch noch positiv gestimmt und in Erwartung vieler neuer Erlebnisse und Eindrücke, die 2000 auf mich warteten, das kommende Jahr, formulierte in Gedanken meine Hoffnungen, Träume und Wünsche und schickte diese in den Himmel. Den zweiten Teil der Nacht erlebte ich tanzend allein in der Menge. Und ich wär gerne noch alleine weitergezogen, um bewusst meine neue Lebenssituation wahrzunehmen und meine eigenen Kräfte zu entdecken. Komischerweise hat das auch ganz gut geklappt. Ich habe zu diesem Zeitpunkt begonnen, meinem partnerlosen Selbst wieder näher zukommen. Das fand ich eigentlich sehr schön und ich bin sehr zufrieden am Morgen in mein Bett gefallen. Irgendwie klingt mir die Schilderung meines Jahreswechsel etwas sehr pathetisch, aber scheinbar war er das auch. Er symbolisiert für mich nicht nur eine Datumsgrenze, sondern auch einen Wechsel in meinem persönlichen Leben. Ein Wechsel, den ich in seiner negativen Seite noch länger verarbeiten muss, den ich jedoch auch als positiven Einschnitt und als Chance wahrzunehmen gelernt habe.



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