Auszug aus meinem Tagebuch


Freitag den 31.12.99 in Budapest.

Klarer Himmel, 3° bis 4° Frost. Die Reiseleitung von Studiosus ist unerbittlich. Ab 8 Uhr 45 wieder Stadtbesichtigung, heute zu Fuß. Die Stadt wird uns erschlossen mit dem Blick der Baustile und Fassaden. Der Jugendstil, der hier Sezession heißt, zeigt herrliche Fassaden. Bei schöner Sonne am Donauufer entlang, über die Kettenbrücke zur Seilbahn. Die Kettenbrücke, 1839 bis 1849 von einem Schotten als erste feste Brücke erbaut. Sie ist eine Hängebrücke mit einer besonderen Konstruktion. Das "Hängeseil" besteht aus großen, 4m langen. Kettenglieder, wie bei einer Fahrradkette. Die Seilbahn, verwandt mit der Turmbergbahn in Durlach, führt uns auf die Burg. Hier war die erste Festung aus dem 13. Jh. und wurde immer weiter ausgebaut. Von hier aus regierten alle bis in die heutige Zeit. Jetzt ist es Nationalgalerie. Wir trafen auf eine andere Studiosusgruppe und Alexander, unser Reiseleiter, als Charmeur wünschte der Reiseleiterin zum neuen Jahr "bleiben Sie schön". Ungarn zeigt in der Galerie, daß es auch bedeutende Maler hatte. Sie sind in der Welt wenig bekannt. Der bekannteste Maler aus dem vorigen Jahrhundert, Munkàcsy hat ganz interessante Bilder gemalt, auch schon Ansätze des Impressionismus. Es ist gut und verständlich, daß Ungarn hier seine Kunstgeschichte sammelt und sich darstellt. Zurück mit Bus und Metro. Busse klein und überfüllt. Metro funktioniert prima. Budapest hatte die erste Metro auf dem Kontinent. Rundgang, vorbei am Denkmal von Imre Nagy, der beim Aufstand 1956 zum Ministerpräsidenten gewählt wurde und Ungarn von den Sowjets loslösen wollte. Er wurde 1958 von der Kadarregierung ermordet. Spätes Mittagessen. Wir lernen Ehepaar Kunkikowski kennen. Sie ist HNO Ärztin in Burg bei Magdeburg. Sehr lebhaft, aber doch etwas ängstlich im Umgang mit der Reisegesellschaft. Die Schwellen zwischen uns Deutschen sind immer noch bemerkbar. Nach dem Essen die katholische Basilika besichtigt, wieder ein Touristenpunkt mit vielen Bussen. Ein "Nachbau" der italienischen Renaissance. Ungarn war in dieser Zeit durch eine Neapolitanerin als Königin sehr an Italien orientiert. Die Besichtigungen enden mit dem Judenviertel. Nach der Emanzipation der Juden im vorigen Jh. zogen viele nach Budapest und sie stellten zeitweise mit 300000 ein Drittel der Einwohner. Wallenberg, ein schwedischer Diplomat hat hier segensreich gewirkt und viele Juden mit Diplomatenpässen versorgt, so daß sie dem Holocaust entgehen konnten. Hier steht auch die größte Synagoge Europas mit 4000 Sitzplätzen, 1870 erbaut.

Silvesterabend
Unsere Reisegruppe feierte im Hotel Astoria. Die Hotelleitung war ganz nervös wegen des Y2K-Problems (Computerausfall). Man gab uns eine Taschenlampe und wir sollten die Badewanne halb füllen. An einem runden Tisch saßen wir mit drei Ehepaaren aus dem Saargebiet zusammen. Sehr nette Leute, mit denen eine gute Unterhaltung zu stande kam. Es gab dann Vorführungen mit Folkloremusik und -tanz, Operettenmelodien, geschmettert von lauten Sopranistinnen und Tenören. Es brachte ganz gute Stimmung. Gepflegtes Menü und so ging die Zeit schnell vorbei. Um Mitternacht mit allen angestoßen und gegenseitig ein gutes neues Jahr gewünscht. Dann ging es bis 4 Uhr weiter. Wir haben sogar einmal getanzt und sind um 1 Uhr ins Bett.



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