ich bin severin.
und das ist meine geschichte.

im real war die hoelle los. donnerstag der 30. dezember 1999, der tag vor sylvester. die meisten, die noch einem job nachgingen, hatten schon frei. sie waren alle hier, die anderen, die keinen hatten, sowieso. ich hatte damals glueck gehabt, wenn man da von glueck reden kann. ich hatte das real žuebernehmen koennen. kalle, der sohn von josef "sepp" salesch, hatte es mir quasi auf lebenszeit verpachtet. das real ist das stadion-cafe hier. der treffpunkt schlechthin. seinen namen bekam es damals als real madrid einmal hier spielte, oder besser gesagt fast gespielt haette. es kam naemlich nie dazu. so sieht das hier aber keiner. alle haben sie hier gespielt, die grossen, die spaeter den europapokal gewannen. teutonia hatte sich fuer die endrunde qualifiziert. und fuer den damaligen buergermeister, sepp salesch, bauunternhemer und vereinspraesident, alles in personalunion, war klar, dass wir real madrid zugelost bekommen wuerden. fuer ihn war es selbstverstaendlich, dass teutonia das grosse los ziehen wuerde. es mussten also vorbeitungen getroffen werden. den madrilenen und den ganzen spanischen gastarbeitern aus dem umland, nicht zu sprechen von den neugierigen-nicht-teutonia-anhaengern, die sicher so dreist sein wuerden und auch noch kommen wollten, musste etwas geboten werden. sepp hatte kontakte nach england, und von einem "soehr", mit dem er beton-geschaefte betrieb, kannte er das stadion-restaurant an der anfield road. ein restaurent war natuerlich unmoeglich, doch ein cafe musste her. er sah sich schon mit zigarre im mundwinkel hinter einer glasscheibe in luftiger hoehe, das stadion damals hat gerade einmal 7 sitzreihen, nuckeln. und von pepe, einem spanischen vorarbeiter aus seinem laden, wuerde er sich die komplimente des real-praesis soufflieren lassen.
nun ja was soll ich sagen. real spielte gegen benfica, setzte sich klar durch und teutonia schied gegen zagreb schmachvoll aus. es war bis heute die bitterste heimniederlage. 1:11, nachdem das hinspiel im kalten osten mit 1:2 recht hoffnungsvoll ueber die buehne ging. aber das ist eine andere geschichte.

alle waren sie heute nocheinmal hier, denn die naechsten zwei tage wuerde es nichts werden mit dem kuehlen blonden inklusive blick auf den matschigen rasen, das traurige braune stueck erde, das sich wie ein feuchter mantel zwischen den beiden toren da unten ausbreitete. dieses mal wuerde ich den laden nicht aufmachen. ich hatte es satt. sylvester war der mieseste tag im jahr. immer diese vollen tumben koepfe, deren ockerfarbenen drillichaugen mich schon gegen halb neun anglotzen, als waere ich ihre mutter, die ihnen gerade mitteilt, ihre waesche nicht mehr waschen zu wollen. abgesehen von dem reinigungsvergnuegen am neujahrsmorgen.
nein, diesmal nicht. nicht mit mir. unser team weilte sowieso in bahrain, auf einladung von irgendsoeinem scheich. ueber die fairplay-kampagne des dfb kamen sie zu dem vergnuegen, weihnachten und sylvester in einer 35 grad warmen bruehe zu sitzen, die aussieht wie ein meer.
und so kam es anders, als die meisten hier vermuteten. ich machte das real dicht und freute mich auf traute zweisamkeit mit meiner perle peggy, die den zweijahrtausendsekt schon vor wochen neben die tieflkuehlerbsen plazierte. fuer sie war klar, dass es ein besonderes sylvester werden wuerde. mir war es egal, hauptsache ich wuerde den laden zumachen und sie mit mir unsere kleine party feiern.
doch sie sollte recht behalten.





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