wie viele andere menschen auf dieser welt habe auch ich mir meine gedanken gemacht, wie ich diesen abend verbringen soll: mit freunden, verwandten, geliebten oder ungeliebten, im großen oder kleinen rahmen, ein riesiges fest oder raclette essen vor dem offenen kamin? ich persönlich finde es schwierig ein gutes sylvester-fest zu organisieren oder einfach zu feiern. da ich mittlerweile auch schon über 30 bin, habe ich schon einige besinnliche abendessen mit spieleabend, wüste feten und besäufnisse mit männerknutschereien und coole events an ungewöhnlichen orten (z.b. großmarkthalle in frankfurt am main) miterlebt. einiges kaum zu toppen und ewig im gedächtnis, anderes fast schon vergessen. viele gedanken hin und her, letztendlich habe ich es mir doch sehr einfach gemacht und somit die last des sensationellen, unwiederbringlichen ereignisses von mir genommen: ich habe beschlossen, diesen abend mit etwas völlig banalen zu verbringen, nämlich zu arbeiten! ich bin arzt in einer mittelgrossen kinderklinik in hessen und habe mich kurzerhand freiwillig gemeldet, an diesem abend den nachtdienst zu übernehmen. der entschluss wurde dadurch erleichtert, dass wir wegen der millenium-panik, den dienst doppelt besetzen mussten, und einer meiner lieblingskollegen sich auch gemeldet hatte und außerdem, um das wichtigste nicht zu vergessen, meine freundin kinderkrankenschwester ist und somit auch arbeiten musste! der abend unterschied sich nicht besonders von üblichen nachtdiensten in unserer klinik, vielleicht herrschte eine etwas andere grundstimmung als sonst, ob feierlicher oder einfach etwas angespannter mag ich jetzt gar nicht mehr so richtig sagen. auf jeden fall blieb die heraufbeschworene katastrophe aus, keine heizung, die stromversorgung oder ähnliches fiel aus. auch der von den geburtshelfern gefürchtete babyboom fand nicht statt. lediglich der ein oder andere betrunkene jugendliche sprengte den sonst gewöhnlichen rahmen, ein 14-jähriger junge wurde von seinen "kumpels" völlig voll und in seiner kotze liegend im wald fast vergessen, bevor sie den krankenwagen anriefen. dementsprechend "kalt" war er als er bei uns eintraf (35°C). ein kind bekam einen kracher in den kragen und erlitt schwerste verbrennungen mit sicherlich zurückbleibenden narben. ansonsten kam es zu keinerlei besonderen vorkommnissen, die beste stimmung im haus fanden wir auf der neanatologischen intensivstation für die frühgeborenen, dort hattendie schwestern alles wunderschön ausgeschmückt, jede schwester trug eine "schwachsinnige" milleniumbrille, es gab stängelchen und rohkostdips, jedes"frühchen" hatte mindestens eine 2000 im inkubator oder aus dem strampler hängen. ah ja, ein glas sekt gab es auch mit eltern, die diese nacht bei uns verbringen mussten. all das erweckt vielleicht den eindruck einer eingeschworenen gemeinschaft, doch das wäre sicherlich übertrieben. abschließend kann ich sagen, dass es ein unvergessener sylvesterabend war und ich werde mich mit sicherheit an alles erinnern und an zukünftige generationen weitergeben können, was ich von anderen "feiern" nicht behaupten kann.



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